Hamburg · Est. 2024
Off the Tee
Journal of Modern Golf Culture
Course Review

Samstag, 9 Uhr. Vor dir liegen *63 Löcher.*

Ein Wochenende auf WINSTONgolf

04. Mai 2026 · 6 Min Lesezeit

Das All-you-can-play-Angebot von WINSTONgolf klingt zunächst nach einem Versprechen, das man nicht einlösen kann. Unbegrenzt Golf, inklusive Abendmenü — für ein Wochenende. Man bucht es und denkt: zwei entspannte Runden, gutes Essen, vielleicht noch eine Pause dazwischen. Was man nicht einplant: dass man das Angebot tatsächlich ernst nehmen wird.

Golf Cart vor dem charakteristischen Rundbau des WINSTONgolf-Clubhauses

WINSTONgolf Clubhaus · Samstag, kurz nach neun — der Startpunkt eines längeren Wochenendes als erwartet.

Wer WINSTONlinks zum ersten Mal spielt, unterschätzt ihn. Der Platz sieht offen aus — keine Bäume, die den Blick versperren, keine engen Doglegs, keine Wasserhindernisse im klassischen Sinn. Stattdessen: Fescue-Rough, das Bälle verschluckt, Mounds, die jeden Chip zu einer Entscheidung machen, und ein Wind, der auf der Freifläche keine Rücksicht nimmt.

Loch für Loch merkt man, dass Links-Golf eine andere Denkweise verlangt. Die Linie zum Pin ist selten die richtige Linie. Der Boden spielt mit — oder gegen einen. Wer gewohnt ist, den Ball hoch ins Grün zu spielen, lernt hier schnell, dass das Rough keine Fehler verzeiht und der Wind jeden halbherzigen Schlag bestraft.

WINSTONlinks — Blick über die typische Links-Topografie mit Mounds und Fescue-Rough

WINSTONlinks · Samstag Vormittag — unten im Tal ein Golf Cart auf dem Weg zur nächsten Spielbahn. Die Mounds sehen harmloser aus, als sie spielen.

Nach 18 Löchern ist klar: Das war kein Aufwärmsprogramm. Es war die Runde, die den Ton für das restliche Wochenende gesetzt hat.

“Links-Golf bestraft nicht den schlechten Schlag — es bestraft die falsche Entscheidung.”

— Notiz nach Loch 14 · WINSTONlinks · Samstag Vormittag

WINSTONlinks lässt sich auch im Detail ablesen. Solaranlagen auf dem Gelände, dezent in den Mounds integriert — kein Dekor, sondern Infrastruktur, die zum nüchternen Selbstverständnis des Platzes passt. Kein Resort-Glanz, sondern ein Platz, der sich um seine eigene Sache kümmert.

Solaranlage auf dem Links-Gelände, im Hintergrund die charakteristischen Mounds

WINSTONlinks · Nachmittag — Energieversorgung mitten auf dem Platz. Im Hintergrund die Weite des Links-Geländes, das sich bis zum Horizont zieht.

Front Nine Open — noch neun, weil man kann

Nach dem 18. Loch auf dem Links gibt es eine Entscheidung: Pause — oder die Front Nine des WINSTONopen mitnehmen? Das Angebot ist da. Der Golf Cart steht bereit. Die Beine sind weniger überzeugt.

Man fährt los.

Der Open-Kurs ist der andere WINSTONgolf. Parkland-Charakter, mehr Struktur, Wasser an mehreren Löchern — und Grüns, die anders lesen als die des Links. Nach 27 gespielten Löchern schätzt man den Golf Cart auf eine Art, die man morgens noch nicht kannte. Er ist kein Komfort-Accessoire, er ist Voraussetzung dafür, dass man Loch 27 noch mit dem nötigen Respekt spielt und nicht auf Autopilot.

WINSTONopen — Blick über den Fairway mit Teich und Schilfgürtel am Nachmittag

WINSTONopen · Samstag Nachmittag — die Schatten zweier Golfer fallen lang auf den Fairway. Rechts der Teich mit Schilfrand, dahinter wieder Fescue. 27 Löcher im Bein.

Das Abendmenü

Das inklusive Abendmenü ist kein Beiwerk. Es ist der Moment, an dem das Paket seinen zweiten Teil einlöst. Die Küche hält, was das Angebot verspricht — und man sitzt, was nach einem langen Samstag auf dem Platz mehr wert ist als jedes À-la-carte-Erlebnis. Man redet über die Runde, über die Löcher, die man falsch gelesen hat, und darüber, was man morgen anders machen wird.

Sonntag: nochmal 36

Sonntag, 9 Uhr. Dieselbe Uhrzeit, andere Beine. Das Programm: 18 Löcher Links, danach das vollständige Open.

Die zweite Links-Runde ist die ehrlichere. Man kennt die Löcher, kennt die Fallen — und spielt sie trotzdem nicht perfekt. Das ist das Verdienst des Platzes: Er gibt kein Wissen gratis weiter. Was man Samstag gelernt hat, muss Sonntag unter Müdigkeit bestätigt werden. Manche Löcher spielen sich beim zweiten Mal besser. Die meisten spielen sich genauso schwer.

Nach 18 Löchern Links folgen 18 Löcher Open. Am Ende des Tages stehen 63 gespielte Löcher über zwei Tage — inklusive Golf Cart, Abendmenü und der Erkenntnis, dass „All-you-can-play” kein Marketingversprechen ist, sondern eine Herausforderung an die eigene Ausdauer. Wer das Angebot bucht und nur eine entspannte Runde erwartet, bucht am falschen Ort. Wer spielen will — wirklich spielen — ist hier genau richtig.

Was bleibt

Nicht der Score. Nicht die einzelne gute Runde auf dem Links oder die fehlerfreie Front Nine am Sonntag. Was bleibt, ist das Gefühl, zwei Plätze wirklich kennengelernt zu haben — mit allem, was dazugehört: der erste Respekt, die Fehler, die Wiederholung, die Erschöpfung.

WINSTONgolf ist kein Wochenende für Golfer, die entspannen wollen. Es ist eines für Golfer, die spielen wollen. Den Unterschied merkt man spätestens am Sonntagabend, wenn man ins Auto steigt — und beide Kurse im Kopf schon wieder von vorne anfangen.